Halbfinale der VR-Talentiade — Pokal, Stolz und ein schlafender Sieger auf dem Beifahrersitz

Wie mein Sohn mit dem zweiten Platz ins Finale einzieht — und warum ein anderer Vater der zweitschönste Moment des Tages war.

Es gibt Tage die man als Elternteil nicht vergisst.

Das Halbfinale der VR-Talentiade war so ein Tag.

Die Vorbereitung — geübt wird was das Zeug hält.

Wir haben uns nicht auf den Wettkampf verlassen ohne vorher etwas dafür zu tun. Nach dem regulären Jugendtraining in unserem Golfclub haben wir die verschiedenen Disziplinen der Talentiade noch einmal gezielt geübt — Blind-Putten, Speedgolf, die Koordinationsübungen. Was man kennt macht weniger Angst. Und Angst hatte mein Sohn ohnehin kaum — aber Vorbereitung schadet nie.

Mein Einsatz — Ein-Bein-Longest-Drive.

Wie schon bei der Qualifikationsrunde durfte ich nicht meinen eigenen Sohn begleiten. Diesmal war ich als helfendes Elternteil an einer Station eingesetzt: dem Ein-Bein-Longest-Drive.

Das Prinzip: Die Kinder schlagen den Ball — auf einem Bein stehend — mit einem Eisen 7 oder kürzeren Schläger so weit wie möglich. Eine Disziplin die Gleichgewicht, Koordination und ein bisschen Mut erfordert.

Mein Sohn war an dieser Station ehrlich gesagt nicht sein stärkstes Ich. Wir hatten die Übung mit seinem Driver geübt und nicht mit einem Eisen 7, wie es die Disziplin erfordert. Aber das ist das Schöne an der Talentiade — sie besteht aus vielen Disziplinen, und wer an einer schwächelt kann an einer anderen glänzen.

Und geglänzt — das hat er.

Der Moment mit dem anderen Vater.

Als ich von meiner Station zurück zum Clubhaus lief, kam ein Vater aus unserem Golfclub auf mich zu.

Er schaute mich an und sagte: "Hast du mitbekommen, dass dein Sohn beim Speedgolf mit seinem Driver direkt auf's Grün geschlagen hat? Da haben alle erstmal gestaunt!"

Ich hatte es nicht mitbekommen. Ich war an meiner Station, hatte keine Möglichkeit zuzuschauen.

Aber in diesem Moment — als mir ein anderer Vater erzählte was mein Sohn geleistet hatte, mit echtem Staunen in der Stimme — da war ich so stolz dass mir kurz die Worte fehlten.

Was mich aber noch mehr berührt hat: Mein Sohn hat es mitbekommen. Er stand dabei, hat gehört wie ein Erwachsener über seinen Schlag geredet hat — und man hat ihm die Freude über diese Anerkennung direkt angesehen. Kinder brauchen das. Nicht nur das Lob der Eltern, sondern das echte Staunen von jemandem der nichts dazu sagen müsste.

Die sechs-Loch-Runde — alles im grünen Bereich.

Auf dem Platz lief es nach allem was ich mitbekommen habe ebenfalls sehr gut. Mein Sohn spielte fokussiert, ruhig — so wie er das inzwischen oft tut wenn es darauf ankommt. Mit sieben Jahren hat er auf dem Platz manchmal mehr Nerven als ich.

Die Siegerehrung — und die nervöseste halbe Stunde des Tages.

Nach dem Turnier wurden die Ergebnisse ausgewertet. Für alle Kinder und Begleiter gab es Nudeln mit verschiedenen Soßen und etwas zu trinken — eine willkommene Ablenkung während die Zahlen zusammengezählt wurden.

Dann die Siegerehrung.

Zuerst die Ergebnisse der Mädchen. Dann die Jungen. Bis es soweit war — die AK9, die Altersklasse meines Sohnes.

Die Platzierungen wurden rückwärts bekannt gegeben. Platz 10, Platz 9, Platz 8 — bei jedem Namen den ich hörte wurde ich nervöser. Mein Sohn stand neben mir, still, gespannt.

Bei Platz 4 beugte ich mich zu ihm rüber und flüsterte: "Du bekommst auf jeden Fall einen Pokal — und du kommst ins Finale." Das war ihm wichtig gewesen, der Pokal. Nicht als Statussymbol — sondern als greifbares Zeichen dass er etwas geleistet hat.

Seine Augen wurden groß.

Dann Platz 3. Ein anderer Name.

Dann Platz 2.

Sein Name.

Mit einem Grinsen das von einem Ohr zum anderen reichte, ging er nach vorne und holte sich seinen Pokal. Den er anschließend nicht mehr aus der Hand gab. Nicht beim Gratulieren, nicht beim Verabschieden, nicht auf dem Weg zum Auto.

Der Heimweg.

Auf der Fahrt nach Hause war es erst noch aufgeregt — was war das für ein Tag, was für ein Ergebnis, was für ein Pokal.

Und dann, nach vielleicht zwanzig Minuten, war es still auf dem Beifahrersitz.

Ich schaute kurz zu ihm hinüber.

Er schlief. Zufrieden, erschöpft — den Pokal fest in beiden Händen.

Es gibt Bilder die man nie vergisst. Das ist eines davon.

Was jetzt kommt.

Das Finale findet Mitte September statt. Wir werden wieder üben, wieder vorbereiten — und ich werde wahrscheinlich wieder an irgendeiner Station stehen, während mein Sohn irgendwo auf dem Platz Dinge tut von denen mir andere Eltern berichten müssen.

Ich freue mich schon jetzt darauf.

Wer den Anfang dieser Geschichte nachlesen möchte — wie mein Sohn überhaupt zur Talentiade kam — findet alles hier

Weiter
Weiter

Golf und Alltag — wie ich es tatsächlich schaffe, dreimal pro Woche auf den Platz zu kommen