Fore! — Eine Geschichte über Sekunden, Golfbälle und Krankenhauskleber
Ein harmloser Nachmittag im Vierer-Flight, eine Sekunde Unachtsamkeit — und plötzlich war ich im Krankenhaus.
Ich habe im Artikel über das Golfen mit meinem Sohn geschrieben, dass Golf gefährlich sein kann. Das war kein Standardsatz zur Absicherung.
Das war die eigene Erfahrung.
Wie es dazu kam.
Im Frühjahr habe ich mich einer Gruppe von Golfern angeschlossen — entstanden aus einer Urlaubsbekanntschaft auf Gran Canaria, aus der inzwischen eine echte Golfrunde geworden ist. Ein bunter Mix: ein paar richtig gute Spieler, ein paar die wie ich erst vor ein, zwei Jahren angefangen haben. Genau die richtige Gruppe um dazuzulernen, Spaß zu haben — und manchmal etwas zu erleben das man so schnell nicht vergisst.
Wir waren an diesem Tag als Vierer-Flight unterwegs. Eine normale Runde, gutes Wetter, keine besonderen Vorkommnisse — bis zu Loch 6.
Der Moment.
Einer aus unserer Gruppe hatte Probleme seinen Ball zu finden. Der Flight hinter uns machte bereits Druck — das kennt jeder Golfer, dieses unangenehme Gefühl wenn die nächste Gruppe zu nah aufschließt. Also haben ich und die anderen zwei aus unserem Flight ihre Bälle bereits eingelocht während wir noch warteten.
So auch ich. Ball eingelocht, mich kurz gebückt um ihn aus dem Loch zu holen.
In diesem Moment hörte ich — sehr nah, sehr plötzlich — das Geräusch eines Abschlags.
Ich habe mich umgedreht.
Und dann traf mich der Ball. Direkt neben dem rechten Auge. Aus ungefähr zwanzig Metern.
Was danach passierte.
Meine Sonnenbrille war im wahrsten Sinne des Wortes zerschossen. Das Glas lag auf dem Grün, der Bügel verbogen. Direkt neben dem Auge hatte ich eine blutende Platzwunde — nicht lebensbedrohlich, aber eindrucksvoll genug für eine Fahrt ins Krankenhaus. Dort wurde die Wunde geklebt, alles gecheckt, und ich durfte wieder gehen.
Wie genau es passieren konnte, weiß ich bis heute nicht mit Sicherheit. Der Spieler der abgeschlagen hat, hat uns wohl nicht gesehen — oder unterschätzt wie nah wir noch am Grün waren. Vielleicht war es auch einfach eine dieser Sekunden in denen mehrere unglückliche Umstände zusammentreffen.
Böse Absicht war es mit Sicherheit keine. Golf ist kein Kontaktsport — aber es ist ein Sport bei dem ein kleiner harter Ball mit großer Kraft durch die Luft fliegt. Das vergisst man manchmal.
Was ich daraus mitgenommen habe.
Erstens: Nie davon ausgehen dass man gesehen wird. Auch wenn man denkt man steht offensichtlich da — auf dem Platz kann die Wahrnehmung täuschen, besonders wenn jemand unter Druck steht und schnell spielen will.
Zweitens: Das Rufen von "Fore!" ist keine Formalität. Es ist das wichtigste Wort auf dem Golfplatz. Wer einen Ball in eine unerwartete Richtung schlägt, ruft sofort und laut — egal was.
Drittens: Aufmerksamkeit gehört dazu. Nicht nur auf den eigenen Ball, sondern auf alles was um einen herum passiert. Ein Golfplatz ist kein Park in dem man gedankenlos spazieren geht.
Und viertens — und das sage ich mit einem Augenzwinkern: Eine gute Sonnenbrille ist auf dem Golfplatz keine Frage des Stils. Sie kann im Zweifel mehr schützen als man denkt. Diese wurde mir selbstverständlich ohne zu zögern ersetzt.
Ein letzter Gedanke.
Der Vorfall hat meine Begeisterung für den Sport kein bisschen gedämpft. Ich bin in der nächsten Woche wieder auf den Platz gegangen — mit etwas mehr Aufmerksamkeit, einer neuen Sonnenbrille und der Gewissheit dass solche Momente zum echten Leben dazugehören.
Golf ist wunderschön. Golf ist entspannend. Und Golf kann in einer Sekunde sehr ernst werden.
Deshalb sage ich es meinem Sohn von Anfang an — und deshalb schreibe ich es hier: Respektiere den Ball. Respektiere den Platz. Und ruf Fore.
Die wichtigsten Sicherheitsregeln auf dem Platz:
Niemals abschlagen solange Personen in Reichweite sind — auch wenn man unter Druck steht
"Fore!" sofort und laut rufen wenn ein Ball unkontrolliert fliegt
Auf dem Grün immer im Blickfeld der anderen Spieler bleiben
Sonnenbrille trägt auf dem Platz nicht nur zur Entspannung bei
Im Zweifel warten — kein Flight der Welt ist wichtiger als die Sicherheit der anderen

