Golfen mit Kind — wie aus einem Nachmittag auf der Range eine echte Leidenschaft wurde
Gebrauchte Schläger von Kleinanzeigen, ein Schnupperkurs — und plötzlich ist der Sohn besser als der Vater.
Es war eigentlich keine große Idee.
Einfach den Kleinen mitnehmen, ein paar Bälle schlagen, schauen was passiert. Kein Plan, keine Erwartungen. Nur ein Vater der sein neues Hobby nicht ganz alleine genießen wollte — und ein 7-Jähriger der sowieso bei allem dabei sein möchte.
Was daraus geworden ist, hätte ich nicht ansatzweise vorhergesehen.
Gebrauchte Schläger, Kleinanzeigen und ein bisschen väterliches Halbwissen.
Bevor der erste Nachmittag auf der Range stattfinden konnte, brauchte es Ausrüstung. Ich habe nicht lange überlegt — ein Set Kindergolfschläger über Kleinanzeigen, gebraucht, günstig, völlig ausreichend für den Anfang. Für ein Kind das vielleicht nach zwei Nachmittagen wieder das Interesse verliert, muss man keine 200 Euro investieren.
Die Schläger habe ich in der Nähe meiner Arbeit abgeholt, sie passten halbwegs — und los ging es.
Auf der Range habe ich ihm zuerst das Wichtigste gezeigt. Nicht Technik, nicht Schwung, nicht Hüftrotation. Sondern Sicherheit. Golf kann gefährlich sein wenn man nicht weiß was man tut — ein Schläger der unkontrolliert schwingt, ein Ball der in die falsche Richtung fliegt, wie ich selbst schmerzlich erfahren musste. Das war mir wichtiger als alles andere.
Dann der Griff. Dann der Standup. Dann der Schwung — soweit mein laienhaftes Wissen das erlaubt hat.
Er hat zugehört. Kurz. Und dann einfach losgeschlagen.
Der Schnupperkurs — und dann war es um ihn geschehen.
Nach ein paar Nachmittagen auf der Range habe ich ihn zu einem Kinder-Schnupperkurs in unserem Golfclub mitgenommen. Spielerische Übungen, andere Kinder, ein richtiger Trainer der weiß was er tut — und der meinem Sohn in einer Stunde mehr beigebracht hat als ich in mehreren Nachmittagen.
Auf dem Heimweg kam die Ansage die ich insgeheim erhofft hatte:
"Papa, kann ich mich beim Kindergolftraining anmelden?"
Kann er. Seitdem geht er wöchentlich zum Training. Und ich lerne inzwischen von ihm.
Auf dem Platz — gemeinsam, als Team.
Schon nach zwei Monaten Training durfte er mit mir als Begleitung auf dem richtigen Platz spielen — eine Regelung die viele Golfclubs für Kinder anbieten. Kein eigenes Handicap nötig, einfach mitlaufen, mitspielen, die Atmosphäre aufsaugen.
Das erste Mal mit ihm auf einem richtigen Platz war anders als ich erwartet hatte.
Keine Ungeduld, keine kurze Aufmerksamkeitsspanne. Er war fokussiert, aufmerksam — und schneller fertig als ich an manchen Löchern.
Es gibt wenige Momente im Leben die so unkompliziert schön sind wie mit dem eigenen Kind über einen Golfplatz zu laufen. Kein Handy, kein Stress, kein Lärm. Nur das Spiel, die Natur — und ab und zu ein Blick den man sich zuwirft wenn ein Schlag besonders gut oder besonders schlecht war.
Die Talentiade — zweiter Platz beim ersten Mal.
Ich habe ihn für die diesjährige Talentiade angemeldet. Einfach so, um ihm zu zeigen was Golf noch sein kann — Gemeinschaft, Wettbewerb, andere Kinder die genauso begeistert sind.
Was dann passierte, hat mich ehrlich gesagt sprachlos gemacht.
Zweiter Platz in seiner Altersklasse. Beim ersten Mal. Direkt qualifiziert fürs Halbfinale.
Ich stand am Rand, habe zugeschaut — und war stolzer als bei allem was ich selbst je auf dem Platz erreicht habe.
Er hat angefangen weil ich ihn mitgenommen habe. Aber was er daraus gemacht hat, das ist komplett seins.
Was ich anderen Eltern mitgeben möchte.
Falls du selbst golfst und überlegst ob du dein Kind mitnehmen sollst — tu es. Aber ohne Druck, ohne Erwartungen. Einfach mitnehmen, zeigen, lassen.
Manche Kinder finden es langweilig. Meiner nicht.
Und falls dein Kind Feuer fängt: Ein Schnupperkurs im Golfclub ist der beste nächste Schritt. Spielerisch, kindgerecht, mit echten Trainern. Das macht mehr als jedes väterliche Halbwissen auf der Range.
Praktische Tipps für Eltern:
Gebrauchte Kindergolfschläger über Kleinanzeigen sind völlig ausreichend für den Einstieg — Sets gibt es ab 20–30 €
Sicherheit zuerst erklären — bevor der erste Schwung kommt
Schnupperkurse für Kinder bieten die meisten Golfclubs an, oft kostenlos oder für kleines Geld
Viele Clubs erlauben Kindern als Begleitung auf den Platz — einfach beim Club nachfragen
Die Talentiade des Deutschen Golf Verbands findet jährlich statt — offen für Kinder ab 6 Jahren

